Geschichten vom Scrum – live

Am 17.12.2009 war ich zu Gast in der Fachbuchhandlung Lehmanns in Hamburg, um in einer vorweihnachtlichen Märchenstunde aus meinem Buch „Geschichten vom Scrum“ vorzulesen.

Trotz Schneefall (zum ersten Mal in diesem Winter) und Straßenglätte hatten sich ca. 30 Zuhörer eingefunden, um bei Spekulatius und Schokoladenherzen zu erfahren, wie eine bunt zusammengewürfelte Truppe in agiler Manier eine Drachenfalle baut. Die anschließenden Diskussionen zeigten, dass in vielen Unternehmen die Vorteile eines agilen Vorgehens immer noch angezweifelt werden. Das ist wohlbekannt und lässt sich meiner Meinung nach nur im persönlichen Gespräch und durch erfolgreiche Taten entkräften. Die zweite Erkenntnis, die jedoch auch nicht neu ist: Scrum und andere agile Frameworks sind keine Wunderwaffen. Sie machen aber die Problembereiche in Projekten (und Organisationen) offensichtlich. Wer das als Segen betrachtet, und nicht etwa als Fluch, dem kann die konsequente Anwendung agiler Werte, Prinzipien und Praktiken zu erfolgreicheren Projekten verhelfen. Alle anderen müssen zunächst einmal erkennen, dass eine größere Transparenz etwas Gutes, Zielführendes ist. Mike Cohn hat die fünf Schritte zur erfolgreichen Einführung agiler Vorgehensweisen zu dem Akronym ADAPT zusammengefasst:

  • Awareness – das Bewusstsein, dass der derzeit verwendete Prozess nicht die gewünschten Ergebnisse erbringt
  • Desire – das Verlangen, die bestehenden Probleme mit Hilfe agiler Methoden zu adressieren
  • Ability – die Befähigung, eine agile Methode erfolgreich einzusetzen
  • Promotion – das (interne) Marketing für die agile Vorgehensweise in Form von Erfahrungsberichten
  • Transfer – die Ausweitung der agilen Methoden auf andere Unternehmensbereiche (aus Sicht einer IT-Projektabteilung)

(aus Mike Cohn: Succeeding with Agile)

Was bedeutet das für die „agilen Zweifler“? Nun, sie sollten sich zunächst auf einer dieser Stufen einordnen – um dann zu überlegen, wie sie die nächste Stufe erreichen. Nein, das ist kein Wasserfall-Modell! Es ist eher vergleichbar mit den Lernstufen Shu, Ha und Ri der japanischen Kampfkünste. Ich muss wissen, wo ich stehe, um dorthin zu kommen, wo ich hin möchte. Klingt so einfach…