Was uns ein Granatapfelsaftverkäufer über die Macht des Storytelling verrät

In meiner „Geschichtenschmiede“ auf den XP Days Germany 2010 hatte ich eine Lanze für das erzählerische Denken gebrochen. Erzählungen sind holistisch. Sie stellen Zusammenhänge zwischen Fakten, Emotionen, Rahmenbedingungen, Einstellungen, Handlungsweisen etc. her. Geschichten eröffnen Möglichkeiten. Damit gehen sie weit über die Fakten, Daten und Theorien und deren Zusammenhänge hinaus, auf denen das argumentative Denken gründet. Beide Denkweisen ergänzen einander. In Unternehmen dominiert meist das argumentative Denken. Aber es geht auch anders. Den Beweis tritt ausgerechnet ein Wirtschaftsmagazin an.

brand eins eilt zurecht den Ruf voraus, ungewöhnlich (im Sinne von besonders) zu sein. Die Beiträge sind allesamt gut recherchierte und interessant erzählte Geschichten. Aber auch das argumentative Denken bekommt seinen Raum. Beide Denkweisen treffen in jeder Ausgabe in einem Format mit dem schönen Titel „Die kleinste wirtschaftliche Einheit: der Mensch“ zusammen. In der aktuellen Ausgabe 12/2010 berichtet dort ein Granatapfelsaftverkäufer aus Palästina über seine Arbeit und die Herausforderungen und Ziele seines Lebens. Ergänzt wird dieses Interview immer um die wirtschaftlichen Eckdaten des Heimatlandes. Neben BIP und Human Development Index erfahren wir hier, dass ein Falafel zum Mitnehmen im Westjordanland umgerechnet 65 Euro-Cent kostet. Erst mit der Kenntnis dieser Zahlen kann das im Interview genannte Netto-Einkommen bewertet werden. Aus der Kombination von Erzählung und Zahlen ergibt sich ein Gesamtbild dieser kleinsten wirtschaftlichen Einheit, auf die ich mich immer wieder freue, wenn die neue brand-eins-Ausgabe im Briefkasten liegt.