„Agile Interaktiv“

Auf der diesjährigen JAX gibt es neben dem etablierten Agile Day mit klassischen Vortragsformaten auch wieder den im vergangenen Jahr neu eingeführten interaktiv-agilen Tag. Am ersten JAX-Tag (2. Mai) laden vier Veranstaltungen zum Mitmachen ein. Sie spannen den Bogen von der agilen Aufwandschätzung bis hin zur Retrospektive.

Zwei dieser Veranstaltungen habe ich gemeinsam mit Christiane Philipps, Martin Heider und Sebastian Eichner aktiv mitgestaltet:

Nobody’s Perfct

…ist ein Kartenspiel, das für eine transparente, fehlertolerante Kultur in Projekten und Unternehmen wirbt. Auf spielerische Weise wird die altbekannte (aber gern vergessene) Erkenntnis vermittelt, dass nur jene Probleme gemeinsam behoben werden können, von denen alle wissen. „Fail early, Fail often, Fail out loud!“ – so die Devise, unter der wir auf der Unkonferenz Play4Agile im Februar 2011 dieses Spiel entwickelt haben. Die spannenden Erfahrungen bei der Spieleentwicklung sind eine Geschichte für sich. Hoffentlich finde ich bald mal die Zeit, um diese Geschichte aufzuschreiben. Aber zurück zur JAX:  anstatt die Regeln zu erklären, spielten wir vier Coaches zwei Runden „Nobody’s Perfct“, und alle anderen schauten zu. Dann ging es los. Da die Session gut besucht war, wurde jeder der vier Plätze am Spieltisch nicht von einer Person besetzt, sondern immer von einem Team, das sich meist spontan zusammengefunden hatte. Um so erstaunlicher, wie offen die Spieler bereits nach der ersten Runde miteinander ihre Probleme und Lösungen diskutierten. Unser Hinweis, dass zur Not auch fiktive Probleme genant werden können, war unnötig: hier kamen echte Probleme auf den Tisch. Da das Spiel zwischen sozialen und technischen Probleme unterscheidet, war die Bandbreite groß. Sie reichte von Teamleitern, die sich immer und überall einmischten, bis hin zu einer von einem externen Dienstleister entwickelten technischen Schnittstelle, die sich fortwährend ändert und damit jede Planung zunichte macht. Bei der Diskussion um die beste Lösung geriet so manches Mal das Spiel in Vergessenheit. Das aber machte uns nichts aus, den schließlich hatten wir unser Ziel erreicht: die Teilnehmer entwickelten in nur 90 Minuten eine beachtliche Fehlerkultur.

Retrospektiven – besser geht immer

Im zweiten Spiel des Tages ging es um das Prinzip der kontinuierlichen Verbesserung, auch „Inspect and Adapt“ genannt. Innehalten, zurückblicken und die sprichwörtliche Säge schärfen – das sind die Ziele einer Retrospektive. Diese machten wir in einem rasanten Spiel erfahrbar, das Nancy van Schooenderwoert ebenfalls auf der Play4Agile vorgestellt hatte. Wieder wurde in vier Gruppen gespielt – dieses Mal gegeneinander. Die Regeln sind einfach: es gilt, zwei gut gemischte Pokerkartenspiele möglichst schnell zu sortieren. In sieben Runden, zwischen denen es ausreichend Zeit zum Reflektieren und Anpassen der Strategie gab, wurden wir Zeuge wir viele guter und einiger weniger gute Wege zum Ziel. Die anschließende Diskussion zeigte, dass auch jene Teilnehmer, die noch nie an einer Retrospektive teilgenommen hatten, von der Wirksamkeit des Konzepts überzeugt waren. Ziel erreicht!

Der Tag begann übrigens mit zwei anderen spannenden und lehrreichen Sessions: Björn Jensen ließ die Teilnehmer verschiedene Methoden der agilen Aufwandschätzung erproben und vergleichen. Anschließend zeigt das Team von it-agile wieder seine Code Katas, die mich schon bei den XP Days 2010 beeindruckt hatten. Somit bot der Agile Interactive Day Einblicke in viele agile Konzepte. Auch die Veranstalter waren zufrieden mit dem Tag. Die Chancen stehen gut für eine Neuauflage im Jahr 2012.