Uber B2B 1.0: Noch nicht uber erfolgreich, aber bereits uberraschend

Die Uber B2B hat sich vom Start weg ein großes Ziel gesetzt: sie versteht sich als Plattform für Geschäftsbeziehungen zwischen jungen Startups und etablierten großen und mittelständischen Firmen. Klein und Groß sollen miteinander und voneinander lernen, aber auch eine wirtschaftliche und finanzielle Affinität füreinander entwickeln. Oft fehlt den Kleinen das Geld, und den Großen mangelt es an Ideen oder zumindest an Strukturen, diese Ideen schnell umzusetzen. Wie aber muss ein Konferenzprogramm aussehen, das Wissensarbeiter beider Welten gleichermaßen anspricht?

Diese Frage blieb aus meiner Sicht beim Treffen in der Berliner Kalkscheune unbeantwortet. Klar war nur, dass man eine Zielgruppe nicht wie geplant erreicht hatte: der Prozentsatz an Teilnehmern aus größeren Unternehmen war nach Angaben des Veranstalters knapp zweistellig. Das mag daran gelegen haben, dass die Kommunikation im Vorfeld nicht zielgruppengerecht gewesen ist. Es liegt aber mit hoher Wahrscheinlichkeit daran, dass die Titel der Beiträge oft wenig über den zu erwartenden Inhalt aussagten. Statt sprechender Titel hatte man auf markige Worte gesetzt, und damit kann in einem größeren Unternehmen niemand seinen Chef überzeugen. Das weiß ich aus eigener Fachbereichsarbeit für die SEACON-Konferenz in Hamburg. Ein Beispiel: hinter dem Titel „I AM THE NEXT INDUSTRIAL REVOLUTION“ verbarg sich eine spannende Podiumsdiskussion über den nächsten Innovationsschub. Den sahen Tore Meyer und Christian Bogatu in der Technologie und der technologiegestützten Kommunikation. Rogier van der Heide von Philips vertrat hingegen die These, dass Technologie nur mittel zum Zweck ist; der eigentliche Zweck sei es, den Menschen mit Hilfe der Produkte ein bestimmtes Gefühl zu vermitteln. So sollen die Philips-Beleuchtungskonzepte nicht einfach erleuchten, sondern beispielsweise eine Wohlfühl-Atmosphäre schaffen. Philips experimentiert mit Straßenbeleuchtungen, die Muster anstelle von einfarbigem Licht produzieren und damit bei Passanten eine Stimmung erzeugen wollen. Die Innovation steckt nicht im Leuchtmittel, sondern in der Erforschung geeigneter Muster. Hier sind weniger die Technologen als vielmehr die interdisziplinäre Arbeit verschiedener Disziplinen (z.B. Psychologen) gefragt. Als real existierendes Beispiel einer Symbiose von Groß und Klein nannte van der Heide die Öffnung der Philips-Reinräume für kleine Firmen. Startups können diese teuren Räumlichkeiten mieten, um ihre eigenen Chips zu produzieren. Umgekehrt lernt Philips von den Ideen, die diese Startups mitbringen und realisieren. Es waren diese Momente, in denen die Idee der Uber B2B Wirklichkeit wurde. Davon hätte ich gerne mehr gehabt.

Den Workshop „I CAN FLIRT AT THE OFFICE, WITHOUT DRAMA“ ersparte ich mir (und vor allem meinen Kolleginnen) und nahm lieber am Design-Thinking-Crashkurs von Christian Beinke und Fried Große-Dunker (beide von Dark Horse) teil, der sich hinter dem unscheinbaren Namen „I CAN ACT LIKE A STARTUP“ versteckte. Dort entwickelten wir gegenseitig in rund 20 Minuten ein neues Portemonnaie, das auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnitten war. Wie man diese Bedürfnisse ermittelt? Durch Zuhören, offene Fragen, Abstraktion und Storytelling (ohne Selling). Die Session hat allen fünf Teilnehmern viel Spaß gemacht. Nur fünf Teilnehmer? Ja, leider. Auch für die anschließende Session, in der ich das eigentlich für Change Management konzipierte Spiel Fearless Journey auf ein Startup-Szenario adaptierte und moderierte, konnten sich nur sechs Teilnehmer begeistern. Denen aber hat das Spiel viel Spaß gemacht und einige neue Erkenntnisse gebracht. Bevor ich’s vergesse: diese Session firmierte unter „I CAN IMPLEMENT ALL I LEARNED TODAY“.

Warum waren die Workshops so mager besucht – und wo waren die ganzen Teilnehmer in dieser Zeit? Entweder beim Netzwerken – oder in den Panel-Diskussionen und Präsentationen. Dort war es nach Aussage einiger Teilnehmer deutlich voller. Ich war überrascht: von der Startup-Szene hätte ich einen deutlicheren Wunsch nach interaktiven Formaten erwartet. Stattdessen ließen sich viele klassisch berieseln.

Überrascht, aber noch nicht restlos überzeugt trat ich am Abend die Heimreise an. Ich glaube, dass die zweite Auflage der Uber B2B von der Mund-zu-Mund-Propaganda der Erstbesucher und einem gezielteren Marketing profitieren dürfte. Das lockt dann hoffentlich auch die Großen an – und dann hat man den Mix, nach dem sich viele sehnen und der diese Konferenz zu etwas Besonderem machen kann.