Change ist wie ein Vogelschwarm

Als ich neulich vor dem Deich die Elbe entlanglief, hörte ich plötzlich ein Brummen wie von einem startenden Propellerflugzeug. Ich konnte mir dieses Geräusch nicht erklären, bis die ersten Vögel über der Deichkrone auftauchten. Und plötzlich war der Himmel über mir von einem ganzen Schwarm bedeckt. Mein ornithologisches Wissen ist dermaßen rudimentär, dass ich nicht einmal sagen kann, ob es sich um Enten oder Gänse gehandelt hat. Der Anblick war jedenfalls sehr beeindruckend. Diese schier unendliche Anzahl an Lebewesen, die sich da koordiniert und geräuscharm durch die Luft bewegten und wie auf ein geheimes Kommando die Richtung änderten, ohne dass einzelne Exemplare kollidierten oder den Schwarm verließen.

Genauso beeindruckend und anmutig stelle ich mir den Start einer Change-Initiative vor. Seit dem vergangenen Herbst bereite ich bei einem meiner Kunden in einem Change-Team die ersten Schritte des Wandels im Unternehmen vor. Jene Kolleginnen und Kollegen, die nicht zum Change-Team gehören, erfahren zwar regelmäßig von unseren Aktivitäten und Zwischenergebnissen, aber vermutlich fühlen sich einige von ihnen so, als stünden sie vor dem Deich, während dahinter etwas Bedeutungsvolles passiert. Vielleicht nehmen sie nicht einmal die ersten Vorboten wahr – so wie ich nicht auf das Geschnatter geachtet habe, das dieser große Schwarm mit Sicherheit erzeugt hat. Ich war so auf das Laufen konzentriert, dass ich kaum die Natur am Fluss genossen habe. Ähnlich geht es vielen Menschen, die komplett vom Tagesgeschäft eingenommen werden.

Und dann war da das Geräusch. Im übertragenen Sinne ist es der Tag, an dem wir die große strategische Neuausrichtung vorstellen werden, die auch mit organisatorischen Änderungen verbunden ist. Ich hoffe, dass die erste Irritation (die eine Veränderung fast immer auslöst) recht schnell einem anderen Gefühl weicht: der Ahnung, dass dies der Anfang einer neuen, fokussierteren Art der Zusammenarbeit ist. Obwohl – im Unterschied zum Vogelschwarm – Kollisionen, Missverständnisse und Irrwege nicht zu vermeiden sind, so besteht der berechtigte Grund zur Hoffnung, dass irgendwann alle Kolleginnen und Kollegen vergleichbar gut aufeinander eingespielt sein werden und gemeinsam den Flow erleben – dieses (laut Wikipedia) „als beglückend erlebte Gefühl eines mentalen Zustandes völliger Vertiefung (Konzentration) und restlosen Aufgehens in einer Tätigkeit (Absorption), die wie von selbst vor sich geht“.

So wie der Vogelschwarm immer wieder seine Richtung an die äußeren Umstände und ein veränderliches Ziel anpasst, so sollen auch die Kolleginnen und Kollegen immer wieder darüber nachdenken, ob sie noch richtig und gut unterwegs sind, und gegebenenfalls eine Kurskorrektur vornehmen. So sieht ein Change-Prozess aus, wie ich ihn mir wünsche – nicht zu meiner persönlichen Zufriedenheit, sondern zum Wohle und Nutzen derjenigen, die mit ihrem Willen zur Veränderung sich und ihr Unternehmen auf ein neues Niveau heben möchten.