SEACON, Tag 1

Das Experiment, eine Konferenz rund um Software Engineering im Norden zu wagen, kann man nach dem ersten Konferenztag als geglückt bezeichnen. Das war auch der Tenor meiner (nicht repräsentativen) Umfrage unter Teilnehmern, Ausstellern und Veranstalter. Das Geheimnis der SEACON liegt in der Mischung. Man beginne mit feinsinnigem Journalismus. Wolf Lotter, Mitbegründer von brand eins und Verfasser der Leitartikel zu den Schwerpunktthemen dieses Wirtschaftsmagazins, fragte in seinem Eröffnungsvortrag: „Worüber reden wir hier eigentlich?“ Sein Plädoyer für einen bewussten und pfleglichen Umgang mit Sprache war eindringlich und humorvoll zugleich. „Wenn Ihre Kunden [aufgrund der vielen Buzzwords] nur noch Bahnhof verstehen, dann werden sie wegfahren – das tut man schließlich an Bahnhöfen.“ Wie wahr…

Dass die SEACON keine Kopie der großen deutschen IT-Konferenzen sein sollte, wurde den Teilnehmern spätestens beim Open-Space-Marktplatz bewusst. Hier war Mitarbeit gefragt. Und es wurde fleißig mitgearbeitet – sogar so schnell, dass Bernd Oestereich und Jochen Meyer den Marktplatz aufgrund der beschränkten Raumkapazität vorzeitig schließen mussten. Die Open-Space-Diskussionen selbst verliefen nach den Aussagen der Moderatoren recht gut. Morgen gibt’s die Ergebnispräsentation, dann wissen wir mehr.

War der Open Space aus Sicht der Teilnehmer noch eines der einfacheren Formate, so gehörte beim Fishbowl schon eine Portion Mut dazu, um sich aus dem Plenum auf einen der fünf Diskussionsplätze zu begeben – und damit einen der anderen vier Diskutierenden zu verdrängen. Um so überraschter war ich, als sich sehr schnell und ganz natürlich eine lebhafte Fishbowl-Diskussion über komplizierte und komplexe Probleme entwickelte.

Schließlich durfte ich noch an einer Expertenbefragung zum Thema Agilität teilnehmen. Es gibt aus meiner Sicht bessere Formate, um Inhalte zu vermitteln – zwei habe ich oben bereits genannt.

Natürlich gab es auch die klassischen Fachvorträge, von denen ich nur Klaus Marquardts Ausführungen über den Umgang mit Komplexität in Projekten gelauscht habe. Mir gefiel die Mischung aus Thesen und Indikationen für Komplexität, die zum Nachdenken anregte, wenngleich ich ein etwas anderes Verständnis von komplexen und komplizierten Problemen habe (siehe Fishbowl).

Ich war sehr zufrieden mit dem ersten Tag dieser neuen Konferenz. Natürlich gibt es hier und da noch Verbesserungsmöglichkeiten, aber dem Anspruch, etwas anders zu sein als die anderen Konferenzen (aber mindestens genau so gut), ist die SEACON schon an Tag 1 gerecht geworden.