Eine große furchtlose Reise auf der JAX 2013

Fearless Journey - Panorama

Montag, 22. April, 13:45 Uhr: Es herrscht gespannte Stille im Gutenbergsaal 1+2. Erwartungsvoll starren neun Personen in leuchtenden Warnwesten auf die großen Flügeltüren, die sich in diesem Moment öffnen und rund 250 JAX-Teilnehmern Einlass gewähren. Die Gäste sind nicht minder gespannt auf das, was sie in den kommenden 100 Minuten erwartet. Eine furchtlose Reise hatte man ihnen versprochen, und von Veränderung und dem Aufbruch zu neuen Ufern war verheissungsvoll die Rede gewesen. Aber was hat das mit agiler Softwareentwicklung zu tun?

Fearless Journey ist ein Kartenspiel, in dem sich ein Team auf die Reise begibt, um ein großes Ziel zu erreichen. Auf dem nicht immer geradlinigen Weg gilt es, verschiedene Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die das Team zuvor selber gefunden und beschrieben hat. Um diese Hindernisse zu überwinden, helfen keine Zaubersprüche, sondern Strategien – und zwar jene, die Linda Rising und Mary Lynn Manns in ihrem Buch „Fearless Change: Patterns for Introducing New Ideas“ beschrieben haben. Die Bandbreite der Strategien reicht von „Corridor Politics“ (Flurfunk) über „External Validation“ (Externe Bestätigung) bis hin zu „Time for Reflection“ (Zeit zum Überdenken). Entwickelt wurden diese Strategien, um Veränderung im Unternehmen in Bewegung zu bringen und zu halten.

Fearless Journey - Thumbs UpWas sind die Minimalvoraussetzungen für Veränderung? Ein Standpunkt (Start), eine Vision (Ziel) und der Wille, sich auf den Weg zu machen. Deshalb formulierten die Teilnehmer zunächst ein herausforderndes Ziel, z.B. „wir wollen unser Unternehmen zu einer agilen Organisation entwickeln“. Anschließend wurde der Status Quo niedergeschrieben. Dann durften alle Teammitglieder Gedanken darüber grübeln, welche Hindernisse ihnen auf dem Weg wohl begegnen könnten. Schließlich machten sich alle Teams auf den Weg. Die Hindernisse wurden wie Ereigniskarten gezogen und blockierten immer wieder die Zielerreichung, bis entweder ein Umweg gefunden oder das Hindernis beseitigt wurde. Die Muster (Patterns) aus oben genanntem Buch kamen einzeln oder in beliebiger Kombination zum Einsatz. Stets wurde gemeinsam entschieden, ob die Musterkombination tatsächlich geeignet war, das Problem zu lösen. Und schon ging es weiter, auf mitunter schlängelnden Pfaden dem Ziel entgegen.

Fearless Journey - ReiseleiterZur Unterstützung der Spieler standen neun erfahrene Fearless Journeywomen und -men bereit, um Fragen zu beantworten, Impulse zu geben, neugierige Blicke über Schultern zu werfen – und sich daran zu erfreuen, dass so viele Menschen gemeinsam spielten. Auch ich gehörte zu diesem Reiseleiter-Team. Ich war von der Größe der Gruppe und der Aufgabe anfangs ein wenig eingeschüchtert und ahnte, dass es vielen Teilnehmern ähnlich ging. Meine Reisebegleiterin Christine beruhigte mich mit dem Hinweis „Je größer die Gruppe, desto leichter kann sich jeder auf dieses Wagnis einlassen, da niemand exponiert dasteht.“ Und tatsächlich wich die anfängliche Aufregung an den Tischen sehr schnell einem von Neugier dominierten Teamgeist. Es wurde diskutiert, verhandelt, geplant und vor allem viel gelacht. Meiner Beobachtung nach war die Laune umso besser, je weniger IT-lastig das gesteckte Gruppenziel war. Ein Team hatte sich die hundertprozentige Pünktlichkeit der Bahn zum Ziel gesetzt. Hier war die Stimmung nicht etwa deshalb so gut, weil man sich über die Bahn lustig machte – ganz im Gegenteil: die Teammitglieder hatten aus ihrer Erfahrung als Bahnreisende heraus sehr realistische Hindernisse zusammengetragen. Sie freuten sich darüber, wie gut die Veränderungsmuster auf die problematischen Situationen passten, sobald man deren abstrakter Beschreibung ein wenig Leben einhauchte. Dieser Transfer vom Muster in die Praxis gelang den meisten Teilnehmern sehr gut – Musterschüler im doppelten Wortsinn.

„Kein Spiel ohne Debriefing“ stellte Organisator Martin Heider 25 Minuten vor dem Ende der Session fest. Kommunikation, Diskussion und der starke Praxisbezug wurden in der Retrospektive als Stärken des Spiels ausgemacht. Viele Teilnehmer fassten beim Spielen neuen Mut, um im eigenen Unternehmen Veränderung zu wagen, wie der abschließende „Gang ans andere Ufer“ (quer durch den Raum) beeindruckend bestätigte. Und so waren schließlich nicht nur die Teilnehmer zufrieden, weil sie ein neues Spiel und neue Strategien für Veränderungsprozesse kennen und anwenden gelernt hatten; auch die Reiseleiter konnten zufrieden auf eine tolle Reise zurückblicken, von der sie noch lange erzählen werden.

Ich möchte mich bei allen Teilnehmern und bei meinem Reiseleiter-Team (Christian Dähn, Rolf Dräther, Christine Neidhardt, Deborah Hartmann Preuss, Norbert Hölsken, Michael Kloss, Ilja Preuss) unter der Leitung von Martin Heider für ein unvergessliches Erlebnis bedanken und wünsche allen noch viele furchtlose Reisen.

Mehr Informationen zum Spiel: fearlessjourney.info

Fearless Journey - GruppenbildReiseleiter

(Fotos: Michael Kloss/Holger Koschek/ein freundlicher JAX-Teilnehmer)

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